Die Entstehung der Nähmaschine

Wenn du leidenschaftlich gern nähst, dann wird deine Nähmaschine automatisch zu einer Verlängerung des eigenen Selbst. Darum hat sich La Maison Victor vor einigen Jahren mit Bernina zusammengetan. Gemeinsam mit ihnen nehmen wir die Geschichte der Nähmaschine unter die Lupe. 

WAS DEM VORAUSGING

Mit der allerersten Nähmaschine wurden vor allem Schuhe genäht.

Die Nähmaschine wurde bereits im achtzehnten Jahrhundert erfunden. Der Deutsche Charles Weisenthal hat 1755 in Großbritannien eine Maschine entwickelt, die mit einer Nadel mit Doppelspitze und einer Öse in der Mitte eine Naht nähen konnte.

Der Vorläufer der modernen Nähmaschine mit Unterfaden und Transport, erfunden von Elias Howe (US).

1790 erfand der Engländer Thomas Saint ein Gerät, das einen Kettstich zum Nähen von Schuhen steppen konnte. Letztendlich war es der Amerikaner Elias Howe, der mit mit seiner patentierten Erfindung von 1846 die Basis für heutige Nähmaschinen legte. Seine Nähmaschine verfügte bereits damals über die drei wichtigsten Merkmale einer modernen Nähmaschine: eine Nadel mit einer Öse an der Spitze, eine Spule mit Unterfaden und einen automatischen Transport des Stoffes während des Nähens.

Sein Konkurrent Isaac Merit Singer erkannte das Potenzial von Howes Erfindung und gründete 1851 seine eigene Singer Company mit einer intelligenten Kopie. Howe reichte dagegen eine Klage ein, bekam Recht und hat ab dem Zeitpunkt einen Anteil am Ertrag erhalten.

Bernina: 125 Jahre Fachkompetenz

Das Schweizer Unternehmen Bernina stellt seine Maschinen mit der bekannten Schweizer Präzision her. Kombiniert man die hohen Qualitätsanforderungen mit der Entwicklung innovativer Produkte, dann weiß man sofort, warum dieses Familienunternehmen noch immer erfolgreich ist und vor kurzem 125 Kerzen ausblasen durfte.

600 Stiche pro Minute

H.P. Ueltschis Urgroßvater hat 1893 die Hohlsaum-Nähmaschine erfunden. Hohlsäume waren eine beliebte Verzierung von Tischdecken und Taschentüchern.

Die Erfolgsgeschichte von Bernina begann 1893, als Karl Friedrich Gegauf die Hohlsaum-Nähmaschine erfand. Eine sensationelle Erfindung, die gut und gern 600 Stiche pro Minute nähen konnte. Das war damals unglaublich schnell. Zu der Zeit waren Hohlsäume in Tischdecken und Taschentücher sehr beliebt, aber auch eine zeitaufwändige Handarbeitstechnik. Die Maschine von Gegauf fand so großen Anklang, dass das mechanische Nähen von Hohlsäumen im deutschen Sprachraum bald „gegaufen“ genannt wurde. Die Familie gründete im ostschweizerischen Ort Steckborn, am Bodensee, eine Fabrik. Die Zentrale von Bernina befindet sich auch heute noch dort. 1928 übernahm der Sohn Fritz Gegauf das Unternehmen und vier Jahre später rollte bereits die erste Nähmaschine für den Hausgebrauch vom Band. Das Gerät erhielt den Namen des Lieblingsbergs von Fritz Gegauf: Bernina.

Das häufigste Hochzeitsgeschenk

Die Nähmaschinen von Bernina wurden unglaublich beliebt. Neun von zehn Familien in der Schweiz hatten in den Siebziger Jahren eine Bernina-Nähmaschine. Der Markenname wurde in der Schweiz zum Synonym für Nähmaschine. Eine Bernina war das ideale Geschenk zur Hochzeit. Dieser Erfolg wurde unter der Leitung von Odette Ueltschi-Gegauf realisiert, die das Unternehmen 1959 von ihrem Vater übernahm. Sie sorgte in den Siebziger Jahren für fortschrittliche Innovationen und brachte ein Jahrzehnt später die erste computergesteuerte Nähmaschine mit vollautomatischem Knopflochregler und einem Speicher für Stichmuster auf den Markt. Odette war eine echte Unternehmerin mit einer deutlichen Vision: die Vereinfachung des Nähprozesses. Die Vision und den Sinn für Innovationen hat sie an ihren Sohn Hanspeter weitergegeben, der den Staffelstab vor dreißig Jahren von ihr übernahm.

Die Zukunft ist digital

Unter der Leitung von Hanspeter Ueltschi wird der Nähprozess kontinuierlich optimiert und die digitalen Maschinen weiterentwickelt. Es kommen Maschinen auf den Markt, von denen Stick- oder Quiltfans bisher nur geträumt hatten. Aber H.P. Ueltschi verliert auch im Bereich der Digitalisierung das Motto von Bernina nicht aus dem Auge: „Wir sind über das Smartphone und den Computer verbunden. Ingenieure wollen das Produkt mit immer mehr Funktionen ausstatten: mehr Stiche, mehr Programme, mehr Zubehör. Aber ist es das, was die Näherin fordert? Viel wichtiger ist doch der Benutzerkomfort. Ich will, dass Bernina das iPad unter den Nähmaschinen wird, einfacher und praktischer als der komplizierte Computer. Ich habe hier noch eine Zeitschrift aus dem Jahr 1939, die anlässlich der Schweizer Landesausstellung gedruckt wurde. Darin ist eine Übersicht aller Gründe zu finden, warum  eine Bernina-Nähmaschine die beste Wahl ist. Sie enthält auch einige Referenzen von weiblichen Meinungsführern über ihre Bernina-Nähmaschine. Und das zu jener Zeit! Die Gründe, warum sie diese Maschine so gut fanden, sind heute noch immer dieselben: praktische Bedienung, Vereinfachung des Nähprozesses und eine lange Lebensdauer. Eine Bernina-Nähmaschine hat man ein ganzes Leben!“

Die Bernina-Mitarbeiter fertigen, bearbeiten und montieren verschiedene Bestandteile von Hand und verwenden dazu qualitativ hochwertige Materialien. Darüber hinaus testen sie alle Maschinen, die die Fabrik verlassen. Dadurch haben diese Maschinen eine außerordentlich lange Lebensdauer.