Ein Treffen mit Mieke Dierckx, belgische Designerin für Handtaschen

Die schlichten und zeitlosen Handtaschen der Designerin Mieke Dierckx begeistern viele Frauen. Sie werden mit Liebe in Belgien entworfen und in einem Lederatelier in Portugal gefertigt. Unsere Redakteurin hat mit der jungen Unternehmerin in ihrem Atelier über Unternehmertun, Einbrüche und Dimensionen gesprochen.

Der Laden von Mieke Dierckx in Westerlo befindet sich in einem herrlichen Gebäude: im ehemaligen Kutschenhaus des Schlosses Merode. Wenn man aus dem hinteren Fenster ihres Ladens blickt, kann man gerade noch ein Stück des stattlichen Schlosses sehen. Heute sind in diesem Gebäude keine Kutschen mehr zu finden, sondern herrliche minimalistische Handtaschen.

Mieke ist eine junge erfolgreiche Unternehmerin aus der Region Kempen in der Nähe von Antwerpen und Mama von zwei Kindern. Sie hat ihr Handtaschenlabel im Jahr 2012 gegründet. Die erste Tasche ist eigentlich eher zufällig entstanden: Nach ihrem Studium Innen- und Möbeldesign hat sie noch eine Ausbildung zur Schmuckdesignerin drangehängt. Am Ende ihrer Ausbildung hat sie eines ihrer Schmuck- designs auf Leder angewendet und auf einmal festgestellt, dass die- ses Design eine schöne Tasche werden könnte. Damit hat sich für sie eine ganz neue Welt eröffnet.

Tasche aus Papier

Mieke hat beim Designen einer Handtasche eine ganz besondere Technik: sie macht jede Tasche zunächst aus Papier. „ Meine Mutter war früher Schnittmusterdesignerin und durch ihren Beruf war zu Hause natürlich immer Schnittmusterpapier verfügbar. Als ich an- fing, Taschen zu entwerfen, hat meine Mutter vorgeschlagen, sie zu- nächst aus Schnittmusterpapier zu machen. Es stellte sich als sehr gute Idee heraus, denn in einer zweidimensionalen Zeichnung sind die echten Abmessungen nicht zu erkennen. Mit Papier kann ich die runde Form einer Tasche aber perfekt simulieren. Damit lässt sich gut darstellen, wie sich eine Tasche im Verhältnis zum Körper an- fühlt.“

Sobald das Papierdesign einmal fertig ist, lässt Mieke ihre Taschen in einem Lederatelier in Portugal fertigen. Sie lässt immer zunächst einen Prototypen anfertigen und trägt diesen dann selbst einige Wo- chen lang. So kann sie sicher sein, dass die Tasche praktisch ist und dass sich alle technischen Details an den richtigen Stellen befinden. Das portugiesische Atelier unterstützt sie dabei. „Ich spreche alles mit ihnen ab um zu klären, was möglich ist. Sie kennen mich und sind im Laufe der Jahre echt zu einem Teil meiner Marke geworden. Manchmal stellt mir der Hersteller sogar neue Ledermuster vor statt umgekehrt. Dann werde ich gefragt: ‘Könnte das nicht etwas für dich sein?’, und meistens kann ich das bestätigen. Außerdem sind sie sehr flexibel: ich entwerfe auch individuelle Handtaschen für meine Kunden und im Atelier in Portugal haben sie auch kein Problem da- mit, ein einmaliges Design anzufertigen.“ Das erklärt auch die große Bandbreite an Farben in Miekes Stücken. Sie kann ihre Standard- Kollektionen problemlos in kleinen Auflagen bestellen.

om Traum zum Alptraum

Miekes Label besteht mittlerweile seit fast sieben Jahren. In den Anfangsjahren wollte sie keinen eigenen Laden erö nen, sie hat ihre Meinung aber im Laufe der Zeit geändert. „Ich habe gemerkt, dass die Menschen gerne das Gesicht hinter der Marke kennen und einen persönlichen Kontakt haben möchten,“ erzählt sie. „Ich habe dann mein Atelier zu Hause als Laden gestaltet, aber nach einiger Zeit festgestellt, dass ein Laden in einem anderen Gebäude doch besser wäre.“Im Dezember 2018 fand die festliche Erö nung des Flagshipstores von Mieke in Westerlo statt. Aber die Freude war nicht von langer Dauer: Kaum einen Monat nach der Erö nung räumten Einbrecher den Laden leer. Innerhalb weniger Minuten verlor Mieke 120 Taschen. Sogar die allerkleinsten Schlüsselanhänger aus Leder waren ver- schwunden. Ein Alptraum! „Ich habe erst gedacht, dass es sich um einen Scherz handelt“, sagt Mieke. „Warum stehlen sie in Gottes Na- men meine Taschen? Und wie wollen sie die jemals verkaufen? Das sind Fragen, die unbeantwortet bleiben, denn bisher ist noch immer nichts davon wieder aufgetaucht.“

Den ganzen Bericht über Mieke Dierckx findet ihr in Ausgabe 04/2019 von La Maison Victor. Die neue Handtaschen-Kollektion von Mieke Dierckx hat sich durch den Einbruch etwas verzögert und wird im August herausgebracht: www.miekedierckx.be, Instagram @mieke_dierckx.

Zum Weiterlesen: Lieblingsstücke von Britt, Chefredakteurin.